Frankfurter Bürgerinitiativen fordern Rücktritt von Fluglärmkommissions-Vorsitzenden Jühe

Schreiben_Rücktritt_Jühe_v.07

An den
Vorsitzenden der Fluglärmkommission
c/o Gemeinnützige Umwelthaus GmbH Rüsselsheimer Str. 100
65451 Kelsterbach

07. Dezember 2012

Pressemitteilung der Fluglärmkommission vom 14. November 2012

Sehr geehrter Herr Jühe,

mit großem Erstaunen haben die Frankfurter Bürgerinitiativen sowie die 18 h täglich von Fluglärm betroffenen Bürgerinnen und Bürger, die am 14.11.2012 von der Fluglärmkommission (FKS) herausgegebene Pressemitteilung zur Kenntnis genommen, in welcher es u.a. wörtlich heißt:

„Zudem wurde eine geordnete Nutzung der zur Verfügung stehenden Landebahnen gefordert. So dürfe es nicht sein, dass z. B. in Offenbach und Flörsheim noch verbliebene ruhigere Bereiche durch die nicht vorgesehene Nutzung der Centerbahn in den Nachtstunden belastet würden“.

Faktisch bedeutet dieses Statement, dass die durch Nutzung der Südbahn (25L bzw. 07R) und der Nordwest Bahn (25R bzw. 07L) bereits täglich hoch belasteten Gebiete wie z.B. Neu-Isenburg, Sachsenhausen-Süd, Niederrad und Flörsheim auch schon morgens zwischen 5 Uhr und 6 Uhr bzw. abends zwischen 22 Uhr und 23 Uhr überflogen werden sollten, weil die Centerbahn (25C bzw. 07C) Ihrer Meinung nach zu den vorgenannten Zeiten nicht mehr genutzt werden soll.

Ihnen ist sicherlich bekannt, dass gerade im Falle von BR 25 die Centerbahn (25C), die EINZIGE Landebahn darstellt, die im Endanflug NICHT über besiedeltes Gebiet verläuft und die gerade keine HOCHBETROFFENEN tangiert, die wie z.B. Neu-Isenburg, Sachsenhausen-Süd, Lerchesberg und Niederrad in der Tagschutzzone 1 leben. Ihr Vorschlag belastet damit hochbetroffene Gebiete zusätzlich.

Entlastet wird durch Ihren Vorschlag in erster Linie die nicht erwähnte Gemeinde Raunheim, deren Bürgermeister Sie sind.

Dass Sie unter dem neutralen Deckmantel der Fluglärmkommission öffentlichkeitswirksam und fachlich unrichtig die „Entlastung“ von Offenbach und Flörsheim fordern, aber Raunheim meinen, ist, wenn nicht vorsätzlich, dann doch fahrlässig und kommt unseres Erachtens einem Mißbrauch Ihres Amtes als Vorsitzender der Fluglärmkommission nahe.

Hier noch einmal die Faktenlage wie Sie sich aus unserer Sicht darstellt und die Ihre Forderung nach einer Entlastung von Offenbach und Flörsheim demaskiert und Ihre versteckten, wahren Absichten deutlich ans Licht bringt: Die Vertretung der Partikularinteressen Ihrer Gemeinde, d.h. die Entlastung von Raunheim!

1. Eine Nutzung der 25R (und keine Nutzung der 25C) in den Nachtrandstunden entlastet Offenbach nur marginal, da weiterhin die 25L und die 25R direkt über Offenbach führen. Der Frankfurter Süden wird durch eine Nutzung der 25 C jedoch zu 100% ENTLASTET, da die 25C im Endanflug über NICHT besiedeltes Gebiet führt.

2. Noch schlimmer fällt die Analyse Ihrer Äußerung aus, wenn Sie, Herr Jühe, auch noch Flörsheim als Rechtfertigung für Ihre Forderung ins Feld führen. Eine Nutzung der 07L (und keine Nutzung der 07C) in den Nachtrandstunden entlastet Flörsheim überhaupt nicht. Vielmehr wird Flörsheim durch Ihren Vorschlag ausschließlich mehr BELASTET.

3. ENTLASTET durch Ihren „neutralen“ Vorschlag, Herr Jühe, der eine ausschließliche Nutzung der 07L zu den o.g. Zeiten vorsieht, wird jedoch RAUNHEIM.

Wenn man sich die Flugbewegungen in den Nachtrandstunden (22 – 23 Uhr und 05- 06 Uhr) auf z.B. Casper (http://casper.umwelthaus.org/dfs/) ansieht, erkennt man eindeutig, dass die DFS mitdenkt und die Lärmbelästigung für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger versucht zu reduzieren, indem eben – wenn vom Flugaufkommen her möglich – morgens um 5 Uhr nicht die ersten Flugzeuge über die 25L bzw. 07R und die 25R und 07L geleitet werden, sondern über die 25C bzw. 07C.

Der Grund liegt auf der Hand: Im Falle von BR 25 ist die 25C die einzige Landebahn, die im Endanflug NICHT über besiedeltes Gebiet verläuft.

Ihre in der Pressemitteilung vom 14.11.2012 getätigten Aussagen, sehr verehrter Herr Jühe, sind somit doppelt falsch:

1. Es gibt grundsätzlich dank der Fraport AG keine „verbliebenen ruhigen“ Bereiche mehr, die nun belastet werden würden. Gerade im Falle von BR 07 wird Flörsheim durch eine Nutzung der 07C in den o.g. Zeiten entlastet.

2. Ein offizielles „Nutzungskonzept“ – wie Sie, sehr verehrter Hr. Jühe, der Öffentlichkeit gerne Glauben machen wollen – für die Benutzung und Nichtbenutzung der Centerbahn, existiert nicht. Es steht weiterhin im pflichtgemäßen Ermessen der DFS die 25C bzw. die 07C auch für Landungen in verkehrsschwachen Zeiten zu nutzen, wenn hierdurch eine mehrheitliche Entlastung von hoch betroffenen Gebieten (Tagschutzzone 1) bewirkt wird.

In Ihrer Funktion als Vorsitzender der Fluglärmkommission haben Sie jedoch als neutralen Maßstab die mögliche Zahl der hochbetroffenen Bürgerinnen und Bürger zugrunde zu legen, die durch die Einleitung bzw. Umsetzung einer bestimmten Maßnahme entlastet bzw. belastet werden könnten und gerade nicht die Partikularinteressen Ihrer Gemeinde Raunheim.

Der Vollständigkeit halber wollen wir darauf hinweisen, dass wir mit diesem Schreiben nicht die Institution der „Fluglärmkommission“, die wir weiterhin für sinnvoll und notwendig erachten, kritisieren wollen. Wir sind jedoch der Meinung, dass der Vorsitz der Fluglärmkommission durch eine neutrale Person ausgeübt werden sollte, die die Interessen der gesamten Region und nicht – wie im vorliegenden Fall – konkrete Partikularinteressen vertritt.

Dass Sie, Herr Jühe, zudem in der Vergangenheit in Ihrer Funktion als Vorsitzender der Fluglärm-kommission sogar öffentlich die ABSIEDLUNG von großen Teilen von Sachenhausen-Süd – einem Gebiet, das erst seit dem 21.10.2011 durch die neue Landebahn verlärmt wird – öffentlichkeitswirksam gefordert haben, spricht für Ihre Gesinnung. Ein solches öffentliches Statement bedeutet nichts anderes, als das Anerkenntnis, dass sich der Flughafen wie ein Krebsgeschwür in die Stadt – und nicht umgekehrt – hineingewachsen ist und die Bürgerinnen und Bürger der betroffenen Gebiete nunmehr in Geiselhaft genommen werden.

Aus den o.g. Gründen schließen wir uns daher den zahlreichen anderen Stimmen im Rhein-Main Gebiet an und fordern Sie auf, in Ihrer Funktion als Vorsitzender der Fluglärmkommission mit sofortiger Wirkung

zurückzutreten.

Für die Partikularinteressen Ihrer Gemeinde Raunheim sollten Sie zukünftig ausschließlich in Ihrer Funktion als Bürgermeister der Gemeinde Raunheim eintreten. Aber dann, Herr Jühe, bitte mit Mitteln, die einer aufgeklärten, sozialen und demokratischen Gesellschaft würdig sind.
Mit freundlichen Grüßen
Frankfurter Bürgerinitiativen

cc: Stadt Frankfurt am Main vertreten durch den OB
cc: Stadt Offenbach vertreten durch den OB
cc: Stadt Neu-Isenburg vertreten durch den Bürgermeister
cc: Stadt Flörsheim vertreten durch den Bürgermeister

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